Atelierhaus „Dietzoldfabrik“ in Leutzsch bietet internationales Kunstprojekt

Kategorie: Kunst Veröffentlicht am Freitag, 04. September 2015 Geschrieben von E. Engelhardt

„If Paradise is Half as Nice #5“ lädt bis Sonntag zur Besichtigung ein

 

In der alten Dietzold-Fabrik ist Kunst zu erleben. Pim Palsgraaf, Daan Botlek, Willem Besselink, Regina Kelaita, Onno Poiesz und Jordy Walker – Namen, die in Leutzsch erst einmal noch recht unbekannt sind. Dabei sind die Namensträger seit dem 10. August 2015 schon im Leipziger Stadtteil aktiv und drücken einem alten Industriegebäude ihren künstlerischen Stempel auf.

 

Am Donnerstag, den 03. 09. 2015, wurde offiziell Eröffnung gefeiert. Nun haben nun auch die Leutzscherinnen und Leutzscher sowie alle anderen Interessierten, die Möglichkeit sich ein Bild vom Kunstprojekt „If Paradise is Half as Nice #5“ zu machen, das in der ehemaligen Dietzold-Fabrik in der Franz-Flemming-Straße 9 stattfindet. Geöffnet ist vom 04. bis 06. 09. 2015, jeweils von 13:00 bis 20:00 Uhr. Führungen über das Gelände und durch die ehemalige Metallwarenfabrik des Unternehmers J. Arthur Dietzold (später wurden dort auch Elektroschaltgeräte hergestellt, zu DDR-Zeiten Maissaatgut), bietet das Künstlerkollektiv an den Tagen um 13:00, 15:00, 17:00 und 19:00 Uhr an. Der Eintritt ist frei. Das Betreten des Geländes erfolgt auf eigene Gefahr.

 

Detailansicht der Dietzold-Fabrik. Wie die Zahl im Titel andeutet, ist die Künstlergruppe mit TeilnehmerInnen aus Berlin und Rotterdam schon zum fünften Mal beisammen. Ausgangspunkt für ihre sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland umgesetzten Projekte, sind alte Industriebauten. Für einen Monat lässt sich das Künstlerkollektiv auf die Erfahrung ein, vor Ort zu wohnen und täglich mit dem Raum und dem Material zu arbeiten. Dabei lassen sich die KünstlerInnen vom Gebäude selbst, seiner Geschichte, seiner Rolle in der Stadt und der Industrie inspirieren.

 

In Leutzsch haben die KünstlerInnen in dem durch einen Dachstuhlbrand im Jahr 2010 stark beschädigten Werksgebäude, einen spannenden und facettenreichen Raum gefunden, der in den hohen Hallen, des genutzten Erd- und 1. Obergeschosses noch den Atem der Vergangenheit bewahrt hat. Emil Franz Hänsel, einer der bedeutendsten Leipziger Architekten seiner Zeit hat, hat das Dietzold-Werk zwischen 1905 und 19010 entworfen. Im 20. Jahrhundert bildete es einen Schwerpunkt Leutzscher Industriegeschichte. Derzeit wird das Gebäude vom HausHalten e. V. als „Atelierhaus“ verwaltet.

 

Durchgang mit Soundkulisse von Aantigen. „If Paradise is Half as Nice #5“ arbeitet mit der räumlichen Struktur des Gebäudes. Der Zugang zum Gebäude wurde durch eine Geräuschkulisse des Soundkünstlers Aantigen gestaltet, die dem Ort etwas Geheimnisvolles, angelehnt an die Atmosphäre eines Gruselfilms, verleiht.

 

Daan Botleks Papier-Gestalten im Außengelände. Die silberne Mauer im Hof der Dietzold-Fabrik. Daan Botlek lässt Gespenster oder auch Schatten der Vergangenheit, als Papierfiguren durch den Hof laufen. Eine in silberne Alufolie eingepackte Mauer, die Onno Poiesz gestaltet hat, verweist vielleicht auf die glänzenden Zeiten von damals, aber auch auf den Niedergang. Denn Löcher und Abbruchstellen wurden ebenfalls mit eingepackt, ohne sie zu kaschieren.

 

Objektkunst von Pim Palsgraaf. Diese Collage hängt im Erdgeschoss.  Im Halleninneren sind Video-, Objekt- und bildende Kunst zu erleben. Hinzu kommen abenteuerliche große Konstruktionen, die sich über die fehlende Zwischendecke bis hoch zur nächsten Etage erstrecken.

 

Holzkonstruktion von Willem Besselink. Willem Besselinks Holzkonstruktion scheint dabei einem imaginären oder früher wirklich einmal bestandenen Leitungsverlauf nachempfunden zu sein. Beeindruckend ist die nur an dünnen Fäden aufgehängt und daher fast schwebende Installation auf jeden Fall.

 

Im Obergeschoss gibt es außerdem noch eine Ausstellung zu den vier Vorgängerprojekten, von denen ebenfalls zwei in Leipzig stattfanden, in der ehemaligen Heeres-Bäckerei Leipzig-Möckern sowie in der ehemaligen Getreidemühle an der Essener Straße in Leipzig-Mockau.

 

Toine Klaassen wird mit Blättern behangen. Toine Klaassen als Blattkunstwerk. Toine Klaassen entblättert sich. 

 

 

 

  

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung konnten die BesucherInnen auch zwei Performances erleben, die beide den Menschen als Subjekt im Verhältnis zum Raum stellten. Bei ersterer wurde Toine Klaassen in ein menschlichen Kunstobjekt verwandelt, das erst von anderen Menschen in einem rituellen Akt mit Blättern behangen wurde und sich danach entblätterte.

 

Tanzperformance mit T. Klaassen und Janne Eraker. Dem Publikum gefiel die Tanzperformance gut. Janne Eraker von Mann und Licht verfolgt. 

 

 

 

 

 

Die zweite Performance führte Klaassen zusammen mit der Tänzerin Janne Eraker durch. Beide belebten mit ihrem Körper in Verbindung mit verschiedenen Materialien wie Glas, Stein und Styropor den Raum. Sie erzeugten durch rhythmische Bewegungen eine Erinnerung an die Arbeitsatmosphäre, die früher in diesem Raum geherrscht haben könnte. Zwischen Hast und Ruhe bewegten sich ihre Körper anschließend aufeinander zu und wieder weg, so entstand eine Art Jagd nach dem jeweiligen Anderen. Die intensive Tanzperformance wurde vom Publikum mit viel Beifall bedacht.

 

Das Kunstprojekt grüßt aus Leipzig! Im Anschluss, saßen die BesucherInnen draußen beim Lagerfeuer zusammen oder holten sich eine Bratwurst mit Sauerkraut, um damit das so genannte „Sauerkrautfunding“ für das nächste Projekt zu unterstützen. Wer mehr über das Kunstprojekt erfahren will, dem sei der Vortrag „If Paradise Is Half As Nice 1 bis 5, und weiter … Zur Geschichte eines Kunstprojekts“ von Kunsthistoriker Dr. Guus Vreeburg, am 05. 09. 2015, um 18:00 Uhr, im Atelierhaus „Dietzoldfabrik“ empfohlen.

 

Das Kunstprojekt in Leutzsch ist eines von vielen der dritten „Tage der Industriekultur“, die vom Verein für Industriekultur Leipzig e. V., vom 3. bis 6. September 2015, durchgeführt werden. Das gesamte Programm für das Wochenende ist hier zu finden: http://www.industriekulturtag-leipzig.de/programm-2015/

 

 

 

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