Lebendiger Adventskalender im Stadtteilladen Leutzsch zu Gast

Kategorie: Weihnachten Veröffentlicht am Dienstag, 15. Dezember 2015 Geschrieben von Brigitte Remane

Stadtteilpremiere des satirischen Weihnachtsprogrammes „Stille Nacht. Denkste!“

 

Vierzig Gäste sahen das Weihnachtsprogramm in Leutzsch. Viele Gäste fanden sich am 14. 12. 2015 im Stadtteilladen Leutzsch des BürgerVerein Leutzsch e. V. ein, um im Rahmen des Lebendigen Adventskalenders die Premiere des Stückes „Stille Nacht. Denkste!“ des Seniorenkabaretts der Leutzscher und Lindenauer Nichtmehr-jungen zu erleben. Die Interessierten strömten in den Laden. Es wurde immer voller und obwohl noch Stühle hinzugestellt wurden, Gäste auch auf der Fensterbank saßen, mussten einige BesucherInnen dennoch stehen. Alle waren sehr gespannt auf das, was sie um 17:00 Uhr erwartete.

 

Die Erwartungen der Gäste wurden mit einem amüsanten, aber auch nachdenklichen Programm belohnt, um das gleich am Anfang mal vorwegzunehmen. Die Protagonisten wurden dafür mit reichlich Applaus bedacht, den sie sich redlich verdient hatten. Denn am Morgen kam von einer der Akteurinnen die Hiobsbotschaft, dass sie derart von der Grippe erwischt wurde, dass sie keinen Ton herausbringen konnte. An einen Auftritt war so nicht zu denken.

 

Unerschütterlich optimistisch: Regisseur Enrico Engelhardt Umbesetzungsprobe mit Carola Pabst (rechts) Nun war für den Regisseur und Dramaturgen Enrico Engelhardt guter Rat teuer. Aber das Glück war ihm hold und er fand eine Vertretung, die ihre Sache meisterhaft machte. Carola Pabst musste in zwei Stunden das Programm und ihre Einsätze kennenlernen und natürlich den Text ihrer Rolle einstudieren. Diese Feuertaufe hat sie mit Bravour bestanden.

 

Im aktuellen Programm nahm die Kabaretttruppe den Weihnachtstrubel und die dabei immer wieder aufs Neue entstehende Hektik aufs Korn. Natürlich blieben auch die lieben Nachbarn und Verwandten nicht verschont und bekamen den einen oder anderen Seitenhieb ab.

 

Eingeleitet wurde das Programm mit dem Akkordeonspieler Manfred Thoß und Waltraud Jänichen. Beide sangen „Stille Nacht, heilige Nacht …“ und die Dame schmückte dabei andächtig den Weihnachtsbaum.

 

Szene Darauf aufbauend folgten mehrere kleine Geschichten, wobei ich zwei besonders witzig fand, denn sie fühlten sich an wie aus dem wahren Leben gegriffen.

 

 

Waltraud bekommt Überraschungsbesuch am Heiligabend. Eine Geschichte davon setzte sich mit dem Weihnachtsbaumschmücken der alten Dame, gespielt von Waltraud Jänichen, fort. Auch die Geschenke wollte sie noch verpacken. Denn am folgenden Tag erwartet sie ihre Verwandtschaft und diese sollten sich doch richtig wohlfühlen bei ihr. Aber wie immer kommt es anders als man denkt. Einer nach dem anderen schneit herein in die gute Stube und trägt sein Anliegen vor.

 

Die Titelszene Der eine muss telefonieren, weil er wahnsinnige Zahnschmerzen hat und das eigene Handy seinen Geist aufgegeben hat. Der Nachbarin ist langweilig und sie möchte gern ein Schwätzchen mit ihr machen. Die Tochter bittet sie, auf ihren Hund aufzupassen und vergnügt sich inzwischen mit der Nachbarin und sie trinken den Wein aus. Wieder jemand anderes benötigt noch Lichter für den Baum und die Nichte braucht einen Braten, um ihre Gäste bewirten zu können. Jeder Besucher nimmt sie mit seinem Anliegen in Anspruch und pocht auf baldige Erfüllung. Die alte Dame wird von jedem gedrängelt und so hin- und hergeschubst, dass sie nicht mehr weiß, was sie zuerst machen soll.

 

Am Ende hat jeder ihrer Besucher, was er benötigte bzw. worum er bat, nur sie steht nun mit leeren Händen da: kein geschmückter Baum mehr vorhanden, weder einen Braten noch Wein für die Festtafel und das Geschenk lieh sich die Nachbarin aus. Dafür hat sie den kranken Hund der Tochter nun zu hüten.

 

Es war wirklich eine Freude, den agierenden Senioren zuzuschauen, denn es ging nicht nur sehr lebhaft zu, sondern die Szene wurde mit reichlich Gestik und Mimik ausgestaltet, so dass ich mir sehr gut vorstellen konnte, wie sich so etwas im „richtigen“ Leben abspielen könnte.

 

Szene Marlies Hamm und Manfred Thoß auf dem Weihnachtsmarkt. Eine Szene mit Eheleuten auf dem Weihnachtsmarkt hat sicher auch schon jeder einmal beobachten können. Es war einfach köstlich zu sehen, wie die Ehefrau ein schönes Geschenk nach dem anderen an den Ständen entdeckt und im Sekundentakt ihren Ehemann einmal hierhin und dann wieder dorthin hin- und herzerrt. Dabei wird er gedrängt, sich doch endlich mal zu entscheiden, obwohl er kaum die Gelegenheit erhält, sich die Dinge einmal in Ruhe und genau anzuschauen. Der arme Kerl wird immer griesgrämiger, wie jeder im Publikum an seiner Miene sehen kann. Dabei will er überhaupt nichts auf dem Weihnachtsmarkt erwerben, sondern nur eines – jähe Wendung – die Scheidung. Und das spricht er zum Schluss gegenüber seiner verblüfften Ehefrau auch ganz gequält aus. Aber endlich ist es raus.

 

Das Publikum übrigens amüsierte sich ausgesprochen gut über die fantastische Darstellung von Marlies Hamm und Manfred Thoß. Am Ende der Szene gab es reichlich Applaus.

 

Carola Pabst (links) bei der Aufführung der Szene Eine weitere sehr heitere Szene ist die Tanzprobe, in der eine vornehme Pariser Tänzerin auf eine Putzfee aus Klein-Paris trifft. Wie im Kabarett üblich, werden die Künstler“macken“ übertrieben gezeichnet. Letztlich gewinnt nach einem Schlagabtausch im Dialog Klein-Paris über Paris. Herrlich übertrieben wird dabei der sächsische Dialekt in die Breite nach allen Regeln der Kunst gezogen. Hier kam der fabelhafte Einsatz von Carola Pabst als Pariser Tänzerin zum Tragen. Sie hat sich wirklich fantastisch geschlagen, noch dazu, wenn man bedenkt, dass sie zum einen nur zwei Stunden zum Einstudieren hatte und zum anderen noch nie auf der Bühne gestanden hat. Hut ab, kann ich da nur sagen und das Publikum honorierte diesen Auftritt auch mit großem Beifall.

 

Insgesamt war es eine sehr gelungene Aufführung mit jeder Menge interessanter Details und jeder, der sich dieses Adventsfenster nicht angeschaut hat, hat wirklich etwas verpasst. Denn leider gibt es keine Gelegenheit, das Anschauen nachzuholen, da es die letzte Aufführung des Kabaretts in diesem Jahr war. Weihnachten rückt zudem unaufhaltsam näher und seltsamerweise wird es nicht ruhiger, sondern immer hektischer. Kennen sie, oder?

 

Das Seniorenkabarett "Leutzscher und Lindenauer Nichtmehr-junge" trifft sich übrigens zur nächsten Probe am 11. Januar 2016, von 15:00 bis 18:00 Uhr im Stadtteilladen Leutzsch. NeueinsteigerInnen - gern auch aus anderen Stadtteilen - sind dann wieder herzlich willkommen!

 

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