Der Fußball: BSG Chemie Leipzig bleibt Spitzenreiter

Kategorie: Uncategorised Veröffentlicht am Sonntag, 29. September 2013 Geschrieben von Super User

Das Andere: Bitterer Nachgeschmack zum Spiel der BSG Chemie Leipzig in Zwenkau durch Polizeiaktion

Eine der wenigen Aufnahmen: Fans der BSG Chemie Leipzig gefesselt in ZwenkauDie BSG Chemie Leipzig hat die Tabellenführung in der Bezirksliga Nord am gestrigen Samstag verteidigt. Durch ein hart erkämpftes 0:0 Unentschieden beim VfB Zwenkau 02 verbleibt die Leutzscher Truppe mit einem Nachholspiel im Rücken auf dem Spitzenplatz der Liga und ist weiterhin ungeschlagen.

Das Spiel sollte ein friedliches Fußballfest werden, beide Vereine warben im Vorfeld breit für das Spiel. Und auch auf dem Platz hieß es während der gesamten 90 Minuten, die Fans beider Lager zelebrieren ein Fußballfest mit breiten Gesängen. Von den rund 650 Zuschauern waren knapp 500 Fans der Leutzscher angereist. Doch nach dem Spiel eskalierte die Situation durch einen Polizeieinsatz wie mehrere Augenzeugen übereinstimmend berichten. Sie schilderten einen "harten, überzogenen wie überflüssigen Einsatz der Polizeikräfte".

"Fear works", fasst einer der Augenzeugen seinen Bericht zusammen, "Hier wurde ein harter Einsatz gegen die Fans ohne einen rechtfertigenden Anlass geübt. Ich verteidige keine Straftat, aber man muss doch auf die Verhältnismäßigkeit achten und nicht 600 Fans unter Generalverdacht wegen eines Diebstahls nehmen". Ihm war nach seinen Angaben während der gesamten Polizeiaktion nicht bewusst, wem oder was dieser Polizeieinsatz galt.

Nach Angaben der Polizei wurde im Vorfeld des Spiel an einem benachbarten Supermarkt ein Diebstahldelikt begangen. Personen, die an diesem Diebstahl beteiligt gewesen sein sollen, sollen sich danach unter die Fans der BSG Chemie Leipzig gemischt haben. Zur Aufklärung dieses Diebstahls war dann eine rund 100 Mann starke Polizeitruppe nach Zwenkau beordert worden. Doch diese Ermittlungsaktion stand offensichtlich in keinem Verhältnis zu ihren Folgen. Der Verein BSG Chemie Leipzig berichtete in einer heutigen Pressemitteilung von 3 Notarztwagen, die nach dem Spiel verletzte Fans der Leutzscher akut versorgen mussten. Zudem heißt es in der Pressemitteilung weiter: "Die polizeilichen Einsatzkräfte setzten gegen die Chemie-Fans körperlichen Zwang in Form von Faustschlägen, Schlagstockeinsatz, Griffen in den Halsbereich und Pfefferspray ein. „Fixierungen“ von Fans am Boden erfolgten in immenser Intensität. Dabei wurden die Knie teilweise mit äußerster Wucht in die Nackenbereiche der bereits am Boden liegenden Fans gepresst – selbst wenn eindeutig keinerlei Gegenwehr erkennbar war".

Eine jugendliche Augenzeugin berichtete unserer Redaktion gegenüber, dass "Polizisten Handykameras den Fans aus der Hand geschlagen haben, um eine Dokumentation der Ereignisse zu verhindern". Weiterhin sah sie, dass "drei Polizisten auf eine am Boden liegende Person eingeschlagen haben. Danach wurde diese Person fünf Meter mit dem Kopf durch den Sand gezogen". Weiterhin sprach sie davon: "Fünf Polizisten haben beim Weitsprungzentrum des Vereinsgelände fünf Fans durch den Sand der kompletten Anlage mit dem Kopf gezogen. Sie wurden dann mit dem Kopf in den Sand gedrückt, am Ende standen dort zehn Polizisten, eine Person wurde heftig geschlagen. Ich stand danach unter Schock".

Auch ein älterer Fan der Leutzscher bestätigt die friedliche Situation während des ganzen Spiels "Hier wurde ein Fußballfest gefeiert. Alles war ruhig und friedlich bis zum Eintreffen der Polizei. Dann gab es zuerst verbale Beleidigungen durch die Polizei, nach dem Abpfiff ging es dann richtig zur Sache", formulierte er es gegenüber unserer Redaktion.

Ein weiterer Fan der Leutzscher schrieb uns: "Im Endeffekt hat man mitbekommen, wie die Polizei ohne eine für alle vernehmbare Durchsage oder Ansage auf einzelne Fans zugegangen ist. Bis dahin war es ein völlig friedliches Fußballspiel, Chemiker saßen mit Zwenkauern an den Biertischen, alle haben das Spiel verfolgt und die Stimmung genossen. Die Zwenkauer waren begeistert, dass die Chemiker tatsächlich die Verpflegung zur Neige gingen ließen. Als dann die Polizei nachdrücklich ohne Kommunikation zu den Fans ist, hat sich die Stimmung schnell aufgeheizt". Weiterhin sprach er davon, " die absolute Minderheit - der Polizei, Anmerkung der Redaktion -, war der Kommunikation zugänglich, die Maßnahme wurde zu keinem Zeitpunkt gegenüber der Allgemeinheit begründet".

Von einem Fan der Leutzscher erhielten wir einen sehr langen Augenzeugenbericht, er stand während des Spiels direkt bei der Mehrzahl der Fans. "Wir waren beim Spiel, da kam in der Halbzeit ein halbes Polizisten hinter der Tribüne rein. Sie sagten zunächst nichts, waren nur dort und guckten. Fünf Minuten vor Schluss der Partie kamen nochmal zehn Polizisten rein und liefen die Zuschauerränge ab. Dann zum Schluss kamen nochmal welche rein, blieben aber im Eingangsbereich. Sie wollten die Tribüne einkesseln, das war offensichtlich. Unsere Spieler klatschten die Fans ab, dann gingen die Fans von der Tribüne über das Spielfeld zum Ausgang. Auf einmal fing die sämtliche Polizei an, auf die Leute zuzugehen; sie von allen Seiten einzukesseln. Sie wollten die Fans auch zu Fall zu bringen. Sie haben sich einfach mal auf alle gestürzt. Die Fans hatten Angst, sie wussten nicht, was hier passierte. Einige Fans flüchteten aus Panik und wollten auf die Straße kommen. Daraufhin verfolgte die Polizei die Personen und warf sie nieder, fesselte sie mit Kabelbindern und nahm sie in Gewahrsam. Ich sah im Gesicht blutende Fans, verstörte Gesichter. Auch Krankenwagen musste für einige Fans gerufen worden. Ich sah, wie der Mannschaftsbetreuer von Chemie versuchte, Fans notdürftig zu behandeln".

 

Zur weiteren Dokumentation veröffentlichen wir hier im Original die heutige vollstädnige Mitteilung des Vorstandes der BSG Chemie Leipzig e.V.:

 

"Die BSG Chemie Leipzig e.V. nimmt im Folgenden Stellung zu den Vorkommnissen im Anschluss an ihr Bezirksligaauswärtsspiel beim VfB Zwenkau 02.

 

Das Spiel, das mit einem gerechten 0:0 endete, wurde von knapp 700 Zuschauern verfolgt, darunter auch etwa 500 Chemie-Fans, die ihre Mannschaft in friedlicher Manier anfeuerten. Die gesamte Atmosphäre im Stadion war unserer Einschätzung nach freundschaftlich und der VfB Zwenkau ein exzellenter Gastgeber.

Nach dem Schlusspfiff – die Mannschaft hatte sich gerade von ihren Fans verabschiedet – bewegte sich die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Polizeidirektion Nordsachsen in Richtung der Chemie-Fans, um eine Identitätsfeststellung zur Aufklärung eines Diebstahlsdeliktes vorzunehmen, welches sich vor dem Spiel in einem Zwenkauer Supermarkt zugetragen haben soll. Die BSG Chemie Leipzig stellt eindeutig klar, dass Straftaten wie Ladendiebstahl nicht zu tolerieren sind und polizeilich aufgeklärt gehören. Hierzu gibt es keine zwei Meinungen!

Aber: Auch bei der Aufklärung und Verfolgung von Straftaten gilt das Verhältnismäßigkeitsprinzip. Vor allem ist vor der Ergreifung polizeilicher Maßnahmen zu prüfen, ob das zu wählende Mittel angemessen ist, d.h., ob die Vorteile (also die Feststellung des Ladendiebs) noch im Verhältnis zu den Nachteilen, also zu dem, was in der Folge passiert ist, stehen.

Die polizeilichen Einsatzkräfte setzten gegen die Chemie-Fans körperlichen Zwang in Form von Faustschlägen, Schlagstockeinsatz, Griffen in den Halsbereich und Pfefferspray ein. „Fixierungen“ von Fans am Boden erfolgten in immenser Intensität. Dabei wurden die Knie teilweise mit äußerster Wucht in die Nackenbereiche der bereits am Boden liegenden Fans gepresst – selbst wenn eindeutig keinerlei Gegenwehr erkennbar war.

Funktionäre, Spieler und Fans der BSG Chemie Leipzig, die – wie anhand ihrer Gestik deutlich sichtbar – schlichten wollten, wurden mit dem Vorwurf konfrontiert, die polizeiliche Maßnahme behindern zu wollen oder wurden teilweise selbst den Maßnahmen „unterzogen“.

Insgesamt drei Notarztwagen mussten zum Spielort gerufen werden, um verletzte Chemie-Fans zu behandeln. Unter anderem wurde ein Fan wegen einer herausgesprungenen Kniescheibe notärztlich behandelt, andere Fans trugen Gesichtsverletzungen davon.

Die BSG Chemie Leipzig kritisiert den Polizeieinsatz insbesondere deshalb, weil er in Gänze dem widersprach, was in der gemeinsamen Gesprächsrunde unter dem Thema „strukturierte Saisonvorbereitung 2013/2014“ mit Vertretern von Verein und Polizei vereinbart und protokollarisch festgehalten worden ist. Sicherten die Vertreter der Polizei in eben jenem Saisonvorbereitungsgespräch noch zu, vor der Durchführung von polizeilichen Maßnahmen (wie z.B. Identitätsfeststellungen) das Gespräch mit dem Verein – die Telefonnummern der Vorstandsvertreter liegen der Polizei vor – und dem Fanprojekt zu suchen, so wurden diese Lösungsansätze zur Konfliktlösung beim Polizeieinsatz am 28.09.2013 ausnahmslos unberücksichtigt gelassen.

Die Frage muss erlaubt sein, ob einzelne – nichtsdestoweniger in keiner Weise duldbare! – Ladendiebstahlsdelikte einen Polizeieinsatz rechtfertigen, in dessen Folge ein stimmungsvoller und friedlicher Fußballnachmittag in das komplette Gegenteil umschlägt.

Die BSG Chemie Leipzig erwartet von der Polizeidirektion Leipzig eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle, welche sich nach dem Bezirksliga-Punktspiel beim VfB Zwenkau 02 ereignet haben. Allen Chemie-Fans, die Verletzungen davongetragen haben, wünschen wir gute Besserung. Wir hoffen, dass ihr euch durch die Negativerlebnisse des gestrigen Tages nicht davon abhalten lasst, unserer Mannschaft auch weiterhin bei ihren Spielen bei Seite zu stehen.

Der Vorstand der BSG Chemie Leipzig wird weitere Schritte prüfen, die der friedlichen Durchführung ihrer Fußballspiele dienlich sein können.

BSG Chemie Leipzig e.V.

Vorstand"

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