Tüpfelhausen im Interview mit Gregor Schoenecker (BSG Chemie Leipzig)

Kategorie: Leipzig West Veröffentlicht am Montag, 17. März 2014 Geschrieben von Christoph David Schumacher

"Die Jugend der BSG Chemie Leipzig soll im AKS auflaufen"

 

Ein neues Interview mit dem Nachwuchskoordinator des Leutzscher Traditionsvereins BSG Chemie Leipzig Gregor Schoenecker über das Ende der Kooperation mit dem TuS Leutzsch, der neuen Nachwuchskampagne der Leutzscher, den Kunze-Sportpark und das Verhältnis zur SG Sachsen Leipzig.

 

Hallo Gregor, wir begrüßen Dich einmal mehr ganz herzlich hier in den Redaktions-räumen von Tüpfelhausen. Seit unserem letzten Gespräch hat sich viel in der grün-weißen Fußballwelt ereignet.
Die Nachwuchskooperation zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem TuS Leutzsch wurde nicht verlängert. Was waren die Gründe dafür?

Die Kooperation beruht auf einem Vertrag zwischen beiden Vereinen. Dessen Grundlage ist, dass die Zusammenarbeit im Grundsatz immer von Saison zu Saison andauert. Solange keine Partei den Anspruch erhebt, den Vertrag zu beenden, läuft dieser auch weiter.
Immer mehr in Leipzig zu sehen - die Werbekampagne der BSG Chemie Leipzig, hier bei TüpfelhausenAuf einem gemeinsamen Vorstandstreffen informierte uns der TuS im Februar, praktisch in der Einleitung, darüber, dass die Kooperation vom TuS zum Saisonende beendet wird. Dabei wurde die Kooperation nicht wirklich vom Verein TuS Leutzsch beendet. Der TuS Leutzsch ist, wie jeder Verein, weit mehr als der Vorstand. Er besteht aus Eltern, Kindern, Trainern und seinen Sympathisanten. Das Ende der Zusammenarbeit beruht daher im Kern eher auf persönlichen Interessen und Befindlichkeiten von Einzel-personen. Das ist auch der Hauptgrund.
Von Seiten der BSG Chemie gab es keine Veranlassung, die Kooperation mit dem TuS zu beenden. Denn die Koope-ration hat in den letzten zwei Jahren beiden Vereinen gut getan. Sie hatte in der Perspektive auch gute Chancen auf einen nachhaltige Entwicklung.


Hat die Kündigung der Kooperation etwas damit zu tun, dass der FC International beim TuS Leutzsch angeblich wieder mitmischt?

Zum aktuellen Stand bezüglich des FC International habe ich keine Informationen. Ich habe auch bereits gesagt, dass ich mich an Spekulationen nicht beteilige. Sollten beim TuS Belange bezüglich des FC International eine Rolle spielen, ist das ebenfalls ein TuS-Problem. Dieses wird sicherlich spätestens auf der Mitgliederversammlung seine Erwähnung findet.
Wir als BSG Chemie Leipzig müssen uns jetzt vorwiegend mit unserer eigenen Nachwuchsab-teilung beschäftigen.

Wie ist die Jugendarbeit der BSG Chemie für die nächste Saison geplant? Und müssen die vielen Chemie Fans sich vielleicht Sorgen machen, dass man vielleicht aufgrund einer zu kleinen Jugendabteilung nicht aufsteigen darf?


Die Jugendarbeit der BSG Chemie Leipzig ist über die letzten fünf Jahre immer in Entwicklung gewesen. Die gesamte Abteilung hat sich, mit der ersten Nachwuchsmannschaft im Jahr 2010, permanent weiterentwickelt. Wir sind im zweiten Jahr mit vier Mannschaften bzw. in vier Spielgemeinschaften vertreten gewesen.
Im Jahr darauf sind wir in die Kooperation mit dem TuS eingestiegen und konnten diese Saison noch zwei zusätzliche Spielgemeinschaften anmelden. Insofern ist eine positive Entwicklung klar gegeben. Wenn man sich zudem die Anmeldezahlen der neuen Nachwuchsspieler über die Jahre anguckt, wird das ebenso bestätigt.
Die Qualität der Jugendarbeit der BSG abschließend zu bewerten, ist schlichtweg nicht möglich, weil wir ganz andere Voraussetzungen haben. Die Voraussetzungen, die uns am meisten einschränken, sind die fehlenden eigenen Kapazitäten für die Unterbringung von Mannschaften und für die Austragung von Wettkämpfen. Das ist die größte Blockade für den Gesamtverein BSG Chemie Leipzig.


Vielleicht kannst Du uns schon ein bisschen verraten, was für die Zukunft geplant ist? Ihr habt ja eine Kampagne zur Nachwuchsförderung aufgelegt, was will die BSG hiermit erreichen?

Wir haben unsere Konzeption in der Nachwuchsabteilung in den letzten Monaten komplett überarbeitet. Wir unterstreichen damit, welche Ernsthaftigkeit hinter dem Projekt BSG Chemie Leipzig steckt. Es ist kein Spaßverein wie häufig suggeriert wird, sondern ein Verein mit großem sportlichen Anspruch. Die Menschen, die sich für die BSG Chemie engagieren, haben den Anspruch, diesen Verein weiter zu entwickeln. Dazu gehört als eine wichtige Basis der Nachwuchs.
In den letzten Monaten ist aufgrund der Entwicklungen der Kooperation deutlich geworden, dass wir uns nicht mehr darauf verlassen können, geduldet zu werden; dass wir uns nicht mehr darauf verlassen dürfen, uns ohne eigenen Sportplatz zu entwickeln; dass wir nicht mehr jedes Jahr davon abhängig machen dürfen, die Möglichkeiten unserer eigenen Entwicklung einem fremden Partner anzuvertrauen. Wir brauchen deswegen eigene Kapazitäten und mit diesen auch neue Spieler und Spielerinnen.
Die Nachwuchskampagne, die seit dieser Woche Montag intensiv läuft, ist auch nur ein Baustein und wird zudem noch in den nächsten Wochen verstärkt werden. Wir wollen unsere Präsenz in den Stadtteilen des Leipziger Westens ausbauen und wir wollen auch darauf hinweisen, dass wir weiterhin in einem Entwicklungsprozess sind, an dem jeder teilhaben kann, indem wir ganz einfach fragen: "Wann schlägt Dein Herz für Chemie?". Das ist der zentrale Slogan dieser Kampagne.


(Einhakend) Die Jugend der BSG Chemie Leipzig soll wieder im Kunze-Sportpark trainieren und auflaufen?

Absolut wünschenswert. Und vor dem Hintergrund, dass wir auch nicht vorhaben, dort jemals wieder auszuziehen, unbedingt notwendig. Notwendig auch, um sich diverse Fragen nicht mehr stellen zu müssen. Fragen nach der Dauerhaftigkeit einer Kooperation oder auch Fragen nach der Qualität der eigenen Ausbildung von Spielern.
Wenn man viele Grundvoraussetzung selber bestimmen kann und auch die Möglichkeit hat, dort einzugreifen, wenn Dinge sich ungünstig entwickeln, dann hat man auch die Möglichkeit, die eigene Zukunft zu gestalten. Das ist unser Ziel und das kann und soll auch im AKS stattfinden.


Wenn Du sagst, das ist euer Ziel, heißt das, die BSG Chemie Leipzig soll als einzige Mannschaft im AKS vertreten sein?

Das sage ich natürlich nicht, das ist nicht meine Aussage. Meine Aussage ist, dass wir als Gesamtverein unseren Standort und unsere Heimat finden müssen.
Ob das nur unter dem einen Verein BSG Chemie Leipzig oder unter den Umständen einer gegenseitigen Akzeptanz mit der SG Sachsen stattfindet, lasse ich erst mal völlig offen.

Ist perspektivisch eine Kooperation in der Jugendarbeit mit der SG Sachsen möglich?

Perspektivisch könnte sich so etwas ergeben. Jedoch habe ich gerade schon darauf hingewiesen, dass diese Kooperationsabhängigkeiten uns als Verein nur bedingt weiterhelfen können.
Wenn die Bildung einer Kooperation oder das Eingehen einer Kooperation mit der SG Sachsen dazu dienlich ist, die Konstellation in Leutzsch zu klären, dann wird sich dem auch keiner verschließen. Aber, und das ist wichtig, wir können solche Kooperationen nur eingehen, wenn diese auch auf Augenhöhe geführt werden.
Die Konkurrenzsituation im AKS ist momentan so brisant, dass auch eine Kooperation im Nachwuchs existenzbedrohend sein kann.
Was passiert, wenn ein Verein innerhalb einer Saison die Mannschaften beziehungsweise die eigenen Spieler aus dem Spielbetrieb zieht? Dann gefährdet er das Spielrecht des anderen Vereins. Das ist natürlich eine Variante, die keiner möchte. Am Ende entscheiden das auch nicht die Vereine, am Ende entscheiden das die Eltern und die Kinder, ob sie in so einer solchen Konstellation aktiv spielen wollen.


Weite Teile das AKS werden ja nicht genutzt. Der AKS hat wahrscheinlich mehr freie Platzkapazitäten als jede andere Sportstätte in Leipzig. Was wäre denn das mindeste an Kapazitäten, was die BSG für den Betrieb ihrer Jugendabteilung brauchen würde?

Das Gelände des AKS ist bestückt mit vier Rasenplätzen, zwei Hartplätzen, einem Kunstrasenplatz sowie einer Halle und einem riesigen Waldgebiet für außerfußballerische Betätigung. Diese Gelände wurde zu den Hochzeiten des FC Sachsen von 20 Mannschaften gleichzeitig genutzt. Es gab damals bis zu 18 Kabinen, die genutzt werden konnten. Ein Teil davon ist inzwischen nicht mehr nutzbar. Das ist generell das größte Problem im AKS; er befindet sich in einem jämmerlichen Zustand und viele Kapazitäten können derzeit nicht genutzt werden, weil sich vom Hauptmieter niemand hingestellt und etwas grundsätzlich angepackt hat.
Nichtsdestotrotz, es sind genügend Kapazitäten vorhanden, um mehr als 10 Mannschaften dort unterzubringen.


Du hast gerade den Verfall des AKS angesprochen. Die Redaktion von Tüpfelhausen hat darüber ja eindringlich schon berichtet. Die BSG Chemie Leipzig saniert derzeit den "Familienblock" in Eigenregie. Woran liegt es, dass solch ein Projekt durch die eigenen Fans umgesetzt werden kann.


Bei der BSG ist einfach die notwendige Manpower für solche Aktionen vorhanden. Das war schon immer unsere Antwort bei all den Diskussionen rings um die Situation in Leutzsch. Wir besitzen dieses starke Fundament, auch durch die viele Hilfe von außerhalb für solche Projekte, und können uns immer darauf verlassen. Das zeigt sich am Familienblock eindeutig.

 

Du sprachst von Hilfe auch von außerhalb, welchen Beitrag leistet denn die SG Sachsen bei der Umgestaltung des Familienblocks?


Ich hab die Information erhalten, dass der Fanclubverband der SG Sachsen einen Betrag überwiesen hat, der nicht so klein ist. Das zeigt, dass die ideelle wie finanzielle Unterstützung von allen grün-weißen Fans da ist.
Im Prinzip gibt es die Überschneidungen in den Interessen beider Vereine, sie liegen also nicht weit auseinander. Gerade der AKS als zentraler Bestandteil des Fußballs in Leutzsch ist uns extrem wichtig. Da wurde von unserer Seite auch immer betont.

Was wären denn die nächsten dringenden Baustellen im AKS, gerade auch auf die Jugendarbeit, die ihr anstrebt?


Wenn man ehrlich ist, dann ist es so, dass der ganze AKS einer dringenden Komplettsanierung bedarf. Wir können natürlich auch hier nur Schwerpunkte setzen. Der aktuelle Schwerpunkt für den eigenen Nachwuchs liegt darin, Unterbringsmöglichkeiten, sofern wir sie erhalten, so her-zurichten, dass dort eine ordentliche Unterbringung von Mannschaften sowie ein ordentlicher Trainings- und Wettkampfbetrieb gewährleistet sind.
Man kann uns dort den Fuchsbau, man kann uns dort auch den Nachwuchscontainer geben. Wenn wir wissen, was was wir haben, dann werden wir das auch schnellstmöglich angehen.
Sukzessive sollte es unser Ziel sein, den AKS so sanieren, dass er nicht nur als Wohnzimmer betitelt wird, sondern dass man sich auch wie in einem Wohnzimmer fühlt.

 

Wir hören daraus, das bei Euch alles in den Startlöchern steht. Ihr habt die Manpower, Ihr habt die Unterstützung, Ihr wisst, was zur Sanierung benötigt wird. Ihr wartet eigentlich nur auf das finale Go, um den AKS in Schritten wieder herzurichten?

 

Darauf zu warten, wäre vermessen. Wir warten seit drei Jahren darauf, dass sich bestimmte Dinge ändern, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Wir könnten den Kritikern damit beweisen, dass wir es Ernst machen, mit dem, was wir sagen. Wir werden uns jetzt an die verantwortlichen Stellen wenden, um diese dafür zu sensibilisieren, wie ernst das Thema für uns als Verein ist

 

Ihr äußert Euch ja sehr immer konziliant zu Eurem Nachbarn der SG Sachsen Leipzig und versucht in der täglichen Arbeit mit Eurem Nachbarn auszukommen. Belastet die Betriebskostenaffäre dennoch das Arbeitsklima derzeit in Leutzsch merklich?

 

Tatsächlich ist es eher belastend, dass für die tägliche Arbeit immer die Probleme des anderen Vereins angeführt werden. Die BSG Chemie Leipzig befindet sich permanent in einer Rechtsfertigungssituation und dadurch muss sich unser Vorstand mit Problemen beschäftigen, die uns eigentlich gar nichts angehen. Jede Woche muss ich aufs neue lesen, wer für die finanziellen Probleme bei der SG Sachsen eigentlich verantwortlich ist. Mal ist es der Steuerberater, der die Kostenabrechnung nicht beendet hat, dann ist es die geminderte und richterlich abgesicherte Betriebskostenzahlung der BSG Chemie Leipzig, kürzlich wurden die Versorgungsbetriebe angeführt und jetzt kommt noch der Trikotsponsor dazu. Und das perfide ist, dass in diesem Zusammenhang immer der Name BSG Chemie Leipzig fällt, obwohl wir mit der Entwicklung des SG Sachsen nichts zu tun haben.

Das ist nicht förderlich. Wir können die Probleme eines anderen Vereins nicht lösen. Jeder Verein ist für sein eigenes Wirtschaften verantwortlich

Wenn die etablierten Medien zudem das Thema so unreflektiert aufgreifen, ist es noch schwieriger. Aussagen werden aufgenommen, wiedergeben, ohne dem eigentlichen Anspruch einer kritischen Haltung gerecht zu werden. Die Probleme in Leutzsch sind letztendlich auch eine Frage der Darstellung. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die richtige Darstellung von den betroffenen Medien schlicht gar nicht gewollt ist. Und wenn nicht die Betriebskosten-affäre, dann wird ein anders Thema zur Verstärkung dieses Eindruckes gewählt.

 

Hast Du noch etwas abschließend anzufügen?

 

Wer als Spieler noch nicht älter als 18 ist, der soll zur BSG Chemie Leipzig gehen. Alle sind herzlich eingeladen, sich bei uns einzubringen.

 

Gregor, wir danken Dir ganz herzlich für das Gespräch.

 

 

 

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