Es gibt mehr als 2 Geschlechter

Kategorie: Sonstiges Veröffentlicht am Dienstag, 14. Juli 2015 Geschrieben von E. Engelhardt

Ausstellung in Volkshochschule Leipzig widmet sich Transidentität

 

Andrang zur Ausstellungseröffnung In Leipzig wird am Samstag, den 18. Juli 2015, der Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Damit wird an eine Aktion im Jahr 1969 in New York erinnert, als Schwule, Lesben und Transsexuelle auf die Straße gingen, um für ein tolerantes Miteinander zu kämpfen. Im Rahmen des CSD Leipzig wird aber nicht nur gefeiert. Eine Woche lang, findet ein breites Programm mit Filmen, Vorträgen, Workshops, Diskussionen und Ausstellungen rund um schwul-lesbische und transgender Themen statt. Am Montag, den 13. Juli 2015, wurde um 18:00 Uhr in der Volkshochschule Leipzig eine Fotoausstellung eröffnet, die sich den Themen „Transgender“ und „Transidentität“ annimmt.

Von Transidentität spricht man, wenn Menschen im falschen Körper geboren wurden und das biologische Geschlecht mit der eigenen Wahrnehmung nicht übereinstimmt. Die Geschlechtsidentität weicht vom biologischen Geschlecht ab, so dass sich Mädchen im Körper eines Jungen gefangen oder umgekehrt Jungen im Körper eines Mädchens eingesperrt fühlen können. Der Weg zur Einheit von Identität und Geschlecht führt in diesem Fall über eine Geschlechtsumwandlung bzw. -angleichung.

 

Kathrin Stahl ist Fotografin aus Hamburg und hat Menschen, die sich auf diesen schwierigen Weg zur eigenen Identität durch Angleichung des Körpers begeben haben, porträtiert. Ausgangspunkt für das Fotoprojekt war ihr eigener Sohn, der als Mädchen in einen männlichen Körper geboren und mit Unterstützung der Eltern zu einer jungen Frau wurde. Ihr Sohn ist nun ihre Tochter. Auf ihrer Internetseite zum Fotoprojekt (http://maxistmarie.kathrinstahl.com/), verdeutlicht Kathrin Stahl ihre ganz persönlichen Beweggründe, die zur Ausstellung führten: „Wir, und insbesondere natürlich unsere Tochter, haben, seit 'Transidentität' Teil unserer Familie ist, so viel erlebt. So viel Verletzendes musste unsere Tochter erfahren, nicht nur durch Menschen, sondern auch durch Institutionen wie der Krankenkasse. Es musste doch eine Möglichkeit geben, wenigstens etwas Kleines zu bewegen.“

 

Kathrin Stahl bevorzugt Schwarz-Weiß-Bilder. Dementsprechend hat Kathrin Stahl ihre Ausstellung „Max ist Marie – Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“ gennant. Im Titel ist auch schon der Fokus der Ausstellung zu finden, es geht um das Menschliche und darum transidente Menschen ebenso als „normal“ zu betrachten. Zehn Menschen sind in Schwarz-Weiß-Porträts und Alltagssituationen festgehalten und zeigen sich und dem Publikum wie sie wirklich sind.

 

Broschüre und Flyer zur Ausstellung  Darüber hinaus wirbt das Projekt mit einer die Ausstellung begleitenden Broschüre um Verständnis für die Entscheidungen, die die Porträtierten getroffen haben, ja treffen mussten. Die in der Broschüre enthaltenen Interviews zeigen den oftmals dornigen, von vielen Misserfolgen und Depressionen begleiteten Weg, den die Personen auf ihrer Reise zu sich selbst, zurücklegen mussten. Aber ein Gedanke eint alle Porträtierten: Die ganzen Strapazen waren der Mühe wert. Sie sind jetzt glücklicher und vor allem sie selbst.

 

Jens Neubauer (rechts) bei der Eröffnungsrede. Dass die Ausstellung in Leipzig gezeigt werden konnte, ist den Schwusos, der Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD, zu verdanken, die damit das Thema „Transidentität“ in den Fokus rücken wollen. „Das Projekt will die Transthematik als etwas normales zeigen.“, bekräftigte Jens Neubauer, Vorsitzender der Schwusos Leipzig in seiner Eröffnungsrede und freute sich insbesondere darüber mit der Volkshochschule einen öffentlichkeitswirksamen Partner für die Präsentation der Bilder gefunden zu haben.

 

Silvia Rentzsch (links), Eva Brackelmann, O. Strotzer In einer Gesprächsrunde, moderiert von Eva Brackelmann, von der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Sachsen (ASF Sachsen), wurde die Transthematik diskutiert. GesprächsparterInnen waren Silvia Rentzsch, vom Verein Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland e. V. und Oliver Strotzer, Vorsitzender der Schwusos Sachsen. Neben der Ausstellung waren konkrete Hilfsangebote für transidente Menschen, ein wichtiger Punkt im Gespräch. Dazu erklärte Silvia Rentzsch: „Unser Verein Trans-Inter-Aktiv hat sich letztes Jahr in Jena gegründet. Wir treten für die geschlechtliche Selbstbestimmung von Menschen ein. Das heißt wir kümmern uns um Menschen, die sich im dualen Geschlechtersystem nicht wiederfinden. Mittlerweile gibt es schon 15 Selbsthilfegruppen in Mitteldeutschland, vier davon in Sachsen. Unser jüngstes Mitglied ist 11 Jahre alt.“

Die Selbsthilfegruppen beschränken sich bisher auf die größeren Städte in Sachsen und befinden sich in Leipzig, Dresden Chemnitz und Zwickau. Vor allem im ländlichen Raum sei es schwer Hilfsangebote zu schaffen und zu etablieren. Auch werden die Hilfsangebote von Männern noch eher zaghaft angenommen. „Auf unseren Verein kommen überwiegend Mütter zu, die Unterstützung für ihr Kind wollen. Väter tun sich mit diesen Dingen etwas schwer und haben damit noch Probleme“, teilte Silvia Rentzsch im weiteren Gespräch mit. Ein wichtiger Ansatzpunkt, um für das Thema zu sensibilisieren, sei die Schule, verriet Silvia Rentzsch: „Wir versuchen den Kontakt mit Pädagogen herzustellen. Aber es ist schwierig die bestehenden Verhältnisse aufzubrechen. Die Menschen sind unwissend, auch weil das in der Lehrer- und Erzieherausbildung kein Thema ist. Da wird nur von zwei Geschlechtern ausgegangen, es gibt aber mehr als zwei Geschlechter! Kinder wissen meist schon ab einem Alter von vier Jahren welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Deswegen ist Aufklärungsarbeit in Kindergärten und Schulen so wichtig.“

 

Eva Brackelmann und Oliver Strotzer Dem konnte sich Oliver Strotzer von den Schwusos Sachsen nur anschließen. „Sachsen ist das Schlusslicht beim Thema Gleichstellung. Wir haben ein hartes Stück Arbeit vor uns“, gab er kämpferisch bekannt. Im Koalitionsplan der sächsischen Landesregierung sei auch ein Aktionsplan gegen jegliche Art von Diskriminierung aufgrund von sexueller Identität und damit auch gegen Homo- und Transphobie vorgesehen, erklärte er. Bei der Umsetzung dieses Aktionsplanes, der unter anderem Fort- und Weiterbildungen für Verwaltungsmitarbeiter und Workshops umfassen soll, arbeiten die Schwusos Sachsen eng mit der Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, zusammen.

 

Die Ausstellung zeigt Transidentität als Normalität. Daniela Kolbe, MdB, (Mitte) war auch zu Gast. Am Ende des Gesprächs zur Ausstellungseröffnung, wurde die Bedeutung von Bildung noch einmal hervorgehoben, bevor sich die rund 40 BesucherInnen den Bildern widmeten. Auch die Leipziger Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe war unter den Gästen. Die Ausstellung „Max ist Marie“ ist noch bis zum 30. Juli 2015 im Erdgeschoss der Volkshochschule Leipzig, Löhrstraße 3- 7, zu sehen. Dann wandert sie weiter in ein Berliner Kloster und danach ins brandenburgische Cottbus.

 

 Mehr über Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland e. V.:

 

Der Verein Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland e. V. arbeitet komplett ehrenamtlich und ist auf Spenden angewiesen. Mittelfristig ist die Schaffung einer hauptamtlichen Stelle angestrebt. Vom 28. bis 30 August 2015 richtet der Verein den Kongress „Geschlechtliche Vielfalt (er)leben“ in Weimar aus. Weitere Informationen sind auf der Homepage des Vereins zu finden: http://www.trans-inter-aktiv.de/ 

 

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